Clusterkopfschmerzen gehören zu den stärksten bekannten Schmerzformen. Obwohl viele Hinweise darauf hindeuten, dass eine unerkannte Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie) ein zentraler Auslöser von Clusterattacken sein könnte, existiert bisher keine wissenschaftliche Studie, die diesen Zusammenhang untersucht. Genau deshalb ist eine Doppelblindstudie dringend nötig: um zu klären, ob die Entlastung des Augenbewegungsapparats – etwa durch eine Prismenbrille – die Häufigkeit und Intensität von Clusterkopfschmerzattacken tatsächlich reduzieren kann.
Auf dieser Seite werden die bisherigen Beobachtungen, anatomischen Zusammenhänge und Erfahrungen zahlreicher Betroffener zusammengefasst, die darauf hindeuten, dass eine Entzündung der Sehnenscheide (Trochlea / Rollknorpel), die sich direkt über dem schmerzenden Auge befindet, eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Clusterkopfschmerzen spielen könnte. Zudem wird gezeigt, warum einfache Tests wie das Abdecken eines Auges oft zu einer deutlichen Besserung führen – und warum Prismenbrillen bei vielen Betroffenen eine dauerhafte Entlastung bewirken.
Da diese Hinweise bislang nicht wissenschaftlich untersucht wurden, verfolge ich ein klares Ziel: Ärztinnen, Ärzte und Forschende auf einen möglichen, bisher übersehenen Mechanismus hinzuweisen und zur Durchführung einer Doppelblindstudie aufzurufen, damit Betroffene endlich die notwendige Klarheit und Unterstützung erhalten.
Ein bislang übersehener Auslöser von Clusterkopfschmerzen
Viele der schätzungsweise rund 150.000 Betroffenen in Deutschland leiden seit Jahren oder Jahrzehnten unter massiven Attacken, teilweise mit Suizidgedanken, Berufsunfähigkeit und erheblichen Einschränkungen im Alltag. Trotz moderner Diagnostik bleibt die eigentliche Ursache der Schmerzen unklar, und die Behandlung konzentriert sich überwiegend auf die Attackenkontrolle mit Hilfe von Medikamenten.
In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein bislang übersehener möglicher Auslöser gezeigt: Bei einem großen Teil der Betroffenen scheint eine unerkannte Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie) – ein latentes Schielen – eine zentrale Rolle zu spielen. Latentes Schielen ist keine Krankheit und betrifft schätzungsweise rund 70 % aller Menschen. Die meisten können diese minimale Fehlstellung problemlos kompensieren, bei Menschen mit Clusterkopfschmerzen scheint diese Kompensationsfähigkeit jedoch überlastet zu sein.
Das schmerzende Auge zeigt oft einen kleinen „Silberblick“ und muss im beidäugigen Sehen permanent „arbeiten“, um das Bild deckungsgleich zu halten. Dadurch werden die Augenmuskeln und die Sehnenscheide (Trochlea / Rollknorpel) über dem betroffenen Auge dauerhaft belastet.
Diese Trochlea liegt am Nasenbein direkt über dem schmerzenden Auge und ist über kurze Nervenbahnen mit dem Gehirn verbunden. Kommt es hier zu einer Reizung oder Entzündung, können extrem starke Schmerzimpulse entstehen, die vom Gehirn als Clusterattacken wahrgenommen werden. Weitere Faktoren wie Histamine oder Alkoholkonsum können diese Entzündung zusätzlich verstärken.

Auffällig ist zudem, dass viele Attacken vor allem im REM-Schlaf auftreten. In dieser Schlafphase kommt es zu schnellen, ruckartigen Augenbewegungen, die eine bereits gereizte Sehnenscheide weiter belasten können. Dieser Zusammenhang wird auch neurologisch bestätigt: Prof. Dr. Stefan Evers und Frau Prof. Dr. Svenja Happe berichten übereinstimmend, dass Clusterattacken überwiegend im REM-Schlaf entstehen.
Der Augenklappentest: Ein wiederkehrendes Muster
In den letzten Jahren haben über 100 Menschen mit Clusterkopfschmerzen auf meine Empfehlung hin ihr schmerzendes Auge für ein bis zwei Tage mit einer Augenklappe abgedeckt. Das Ergebnis war bei der großen Mehrheit eindeutig: Die Anzahl und Intensität der Attacken gingen deutlich zurück, bei mehreren chronischen Betroffenen verschwanden sie sogar vollständig. Wurde die Augenklappe abgesetzt, kehrten die Attacken nach kurzer Zeit wieder in voller Stärke zurück – ein klares Zeichen dafür, dass das binokulare Sehen und die muskuläre Überlastung eine zentrale Rolle spielen.
Viele Betroffene berichteten zudem, dass typische Trigger wie Alkohol, flackerndes Licht, Flugreisen oder starke Lösungsmittel unter der Augenklappe keine Attacken mehr auslösten. Ohne Augenklappe führten dieselben Auslöser jedoch zuverlässig zu neuen Anfällen. Zwei Professoren / Statistiker im Medizin-Bereich bezeichneten diese Beobachtung als objektiven Hinweis auf die Schmerzursache: Wenn sich Attacken unter einer Augenklappe deutlich verringern, ist das ein starker funktioneller Beleg für einen binokularen Schmerzauslöser.
Auch das typische, herabhängende Augenlid während einer Clusterkopfschmerzattacke lässt sich in dieses Bild einordnen: Es wirkt wie eine „körpereigene Augenklappe“, unterbricht vorübergehend das beidäugige Sehen und ermöglicht eine kurzfristige Entlastung der Augenmuskulatur.
Neurologinnen und Neurologen können diesen Mechanismus einfach testen, indem sie ihren Patientinnen und Patienten empfehlen, das schmerzende Auge für zwei Tage abzudecken. Viele Betroffene berichten, dass sie dadurch zahlreiche Attacken verhindern konnten.
Erfahrungsberichte finden Sie hier:
- Erfahrungsberichte Clusterkopfschmerz & Prismenbrille
- YouTube-Kanal der Praxis für Winkelfehlsichtigkeit
Prismenbrillen als dauerhafte Entlastung bei Clusterkopfschmerzen
Eine Prismenbrille bewirkt, dass die Netzhautbilder beider Augen ohne Anstrengung zur Deckung kommen. Die Augenmuskeln müssen die Fehlstellung nicht mehr kompensieren, die Sehnenscheide wird entlastet und kann sich erholen – ähnlich wie bei anderen Sehnenscheidenentzündungen. Bei vielen Menschen mit Clusterkopfschmerzen führt dies innerhalb von Tagen bis Wochen zu:
- einer deutlichen Reduktion der Attacken,
- teilweise vollständiger Schmerzfreiheit,
- weniger Hintergrundschmerz hinter dem Auge,
- einer geringeren Anfälligkeit für Trigger,
- und einem spürbar geringeren Bedarf an Medikamenten.
Zahlreiche Betroffene konnten ihre Medikamente dank der Prismenbrille deutlich reduzieren oder sogar ganz absetzen. Wichtig ist: Die Betroffenen sind immer nur solange beschwerdearm oder beschwerdefrei, wie sie die Prismenbrille tragen. Wird sie abgesetzt, kehren die Attacken in vielen Fällen nach kurzer Zeit zurück – genauso wie nach dem Entfernen der Augenklappe. Auch dies ist ein starker Hinweis darauf, dass die Fehlbelastung des Augenbewegungsapparats der Auslöser der Schmerzen ist.
Bei Menschen mit Clusterkopfschmerzen liegen die erforderlichen Prismenwerte meist sehr niedrig, häufig unter 2,00 Prismendioptrien. Solche minimalen Abweichungen werden von Augenärzten und Augenoptikern mit herkömmlichen Messmethoden oft gar nicht erfasst. Ich messe Winkelfehlsichtigkeiten nicht nach der MKH-Methode, sondern mit einer eigenen Messmethodik, die darauf abzielt, nur den Teil der Abweichung zu korrigieren, den die Augenmuskeln nicht selbst ausgleichen können. Dadurch bleiben die Prismenwerte niedrig und stabil – und es besteht keine Gefahr, dass die Werte „hochgetrieben“ und später operativ korrigiert werden müssten. Eine Operation wegen Winkelfehlsichtigkeit wird erst ab Gesamtprismen von etwa 50–60 Prismendioptrien in Betracht gezogen; Werte im Bereich von 0,25 bis 2,00 Prismendioptrien liegen weit davon entfernt.
Eine Prismenbrille hat außerdem im Gegensatz zu vielen Medikamenten keine systemischen Nebenwirkungen: Wenn sie hilft, wird sie gerne getragen – wenn nicht, wird sie einfach wieder abgesetzt, und alles ist wie zuvor.
Warum dieser Zusammenhang bisher übersehen wurde
Neurologinnen und Neurologen suchen bei Clusterkopfschmerzen verständlicherweise nach neurologischen Erkrankungen. Augenärztinnen und Augenärzte suchen nach krankhaften Veränderungen am Auge. Eine Winkelfehlsichtigkeit ist jedoch weder das eine noch das andere, sondern eine funktionelle Fehlstellung. Sie wird deshalb in der Regel nicht als mögliche Ursache in Betracht gezogen.
Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) hat in einer Pressemitteilung zwar darauf hingewiesen, dass Kopfschmerzen häufig vom Auge ausgehen und durch ein gestörtes Augenmuskelgleichgewicht (Heterophorie) ausgelöst werden können. Dennoch wird dieser Ansatz bei Clusterkopfschmerzen bislang kaum berücksichtigt. Viele Betroffene, die unter einer Prismenbrille erstmals deutliche Besserung erfuhren, berichten, dass ihre Erfahrungen von Neurologinnen, Neurologen und Selbsthilfegruppen ignoriert oder als „nicht bewiesen“ abgetan wurden. In Online-Foren wurden zahlreiche Erfahrungsberichte gelöscht, weil es hierzu noch keine Studie gibt – nicht, weil die Erlebnisse der Betroffenen widerlegt wären.
Genau diese Lücke zwischen Erfahrung und Evidenz macht eine wissenschaftliche Untersuchung so wichtig. In Gesprächen mit Betroffenen, denen ich helfen konnte, höre ich immer wieder den Satz: „Wer hilft, hat Recht.“ Mir geht es jedoch nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, dass Ärztinnen und Ärzte auf das hören, was die Betroffenen schildern – und diesen Hinweisen in einer sauberen Studie nachgehen.
Warum eine Doppelblindstudie nötig ist
Die bisherigen Beobachtungen – die Wirkung der Augenklappe, die Verbesserung durch Prismenbrillen, die anatomischen Zusammenhänge, die Rolle von REM-Schlaf und Histaminen etc. – ergeben ein konsistentes Gesamtbild. Doch ohne eine Doppelblindstudie wird dieser mögliche Mechanismus nicht wissenschaftlich anerkannt werden. Ich schätze, dass bei etwa 75 % der Betroffenen mit Clusterkopfschmerzen eine deutliche Reduktion der Attacken oder sogar Beschwerdefreiheit erreichbar wäre.
Eine Doppelblindstudie zur Wirkung von Prismenbrillen bei Clusterkopfschmerzen könnte:
- den binokularen Schmerzauslöser objektiv nachweisen,
- die Wirksamkeit von Prismenbrillen wissenschaftlich belegen,
- unnötige Medikamententherapien und Untersuchungen reduzieren,
- und vielen Menschen, die heute als „austherapiert“ gelten, neue Hoffnung geben.
Der geschätzte Kostenrahmen einer solchen Krankenhausstudie liegt bei etwa 500.000 Euro. Diese Summe kann ich nicht selbst tragen. Ich bin jedoch bereit, alle Probandinnen und Probanden kostenlos mit Prismenbrillen zu versorgen. Dafür brauche ich die Zusammenarbeit mit Neurologinnen und Neurologen, Kopfschmerzzentren, Kliniken und Forschungsteams, die bereit sind, diesen Ansatz gemeinsam zu untersuchen.
Clusterkopfschmerz-Studie: Einladung zur Zusammenarbeit
Seit 2018 korrigiere ich Winkelfehlsichtigkeiten bei Menschen mit Clusterkopfschmerzen und habe in dieser Zeit viele Schicksale kennengelernt: Menschen, die jahrelang unter unerträglichen Schmerzen litten, berufsunfähig wurden oder jede Hoffnung verloren hatten. Einige waren durch den Schmerz suizidgefährdet. Für viele von ihnen war eine Prismenbrille der erste Ansatz, der über reine Symptombehandlung hinausging und eine echte Veränderung brachte.
Wäre es nicht sinnvoll, diese Beobachtungen in einer wissenschaftlich sauberen Studie zu überprüfen? Wenn sich bestätigt, dass eine Winkelfehlsichtigkeit Clusterkopfschmerzen auslösen kann – und diese durch eine Prismenbrille deutlich gebessert oder sogar behoben werden können, wäre das ein Meilenstein für alle Betroffenen.
Ich suche deshalb die Zusammenarbeit mit allen interessierten Ärztinnen, Ärzten und Forschenden, insbesondere mit chronischen Clusterpatienten als Studienteilnehmenden, weil sich der Nutzen dort besonders gut belegen lässt.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich bei mir melden.
Jürgen Peschlow
staatl. gepr. Augenoptiker / Optometrist