Viele Menschen mit episodischen oder chronischen Clusterkopfschmerzen stellen fest, dass sich ihre Attacken deutlich verringern oder sogar vollständig verschwinden, wenn das schmerzende Auge („Clusterauge“) vollständig mit einer lichtdichten Augenklappe abgedeckt wird. Dieser Effekt ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Auslöser ihrer Schmerzen im beidäugigen Sehen liegt – genauer gesagt in einer Winkelfehlsichtigkeit, die nur im beidäugigen Sehen Beschwerden verursacht.
Den Zusammenhang zwischen Winkelfehlsichtigkeit und Clusterkopfschmerzen sowie den Wirkmechanismus der Augenklappe habe ich auf den folgenden Seiten bereits ausführlich erläutert:
- Clusterkopfschmerzen: Der Auslöser Winkelfehlsichtigkeit und die Wirkung meiner Prismenbrille
- Augenklappen-Test bei Clusterkopfschmerz
Im Rahmen meiner intensiven Zusammenarbeit mit Clusterkopfschmerz-Betroffenen zeigte sich, dass sich der Effekt der Augenklappe nicht nur durch vollständiges Abdecken des Auges erzielen lässt. Auch eine gezielt eingesetzte Kontaktlinse mit definierten Dioptrienwerten kann Clusterkopfschmerz-Attacken durch eine bewusst erzeugte Unschärfe auf dem schmerzenden Auge deutlich lindern oder vollständig beheben.
Die Kontaktlinse wirkt dabei wie eine „Augenklappe light“: Das betroffene Auge bleibt am Sehprozess beteiligt, muss die schmerzauslösende Winkelfehlsichtigkeit durch die gezielte Unschärfe jedoch nicht mehr dauerhaft kompensieren.
Diese Form der Kontaktlinsentherapie kann zum Beispiel:
- als Test dienen, um den Einfluss des beidäugigen Sehens auf den Clusterkopfschmerz zu überprüfen,
- eine Alternative oder Ergänzung zur Prismenbrille sein, zum Beispiel beim Sport, in der Sauna oder beim Schwimmen,
- und insbesondere für Betroffene hilfreich sein, bei denen die Prismenkorrektion aufgrund stark schwankender Werte bislang nicht stabil möglich war.
Auf dieser Seite erfahren Sie, wie diese therapeutische Kontaktlinse bei Clusterkopfschmerzen wirkt, wie sie angewendet wird und in welchen Fällen sie sinnvoll eingesetzt werden kann.
Warum kann eine Kontaktlinse Clusterkopfschmerz lindern oder beheben?
Antwort: Weil damit die Sehschärfe des schmerzenden Auges verringert werden kann.
Das ist für Menschen mit Clusterkopfschmerzen nicht von Nachteil, sondern von allergrößtem Vorteil, denn dadurch können diese Schmerzen stark nachlassen oder ganz verschwinden.
Warum? Durch die Unschärfe nimmt das betroffene Auge die schmerzauslösende Winkelfehlsichtigkeit nicht mehr wahr und muss diese nicht mehr dauerhaft kompensieren. Die Unschärfe ist der Schlüssel zur Schmerzfreiheit!
Beim Tragen der Kontaktlinse verschwinden zunächst der Druck im Bereich des Auges, ggf. Schläfen- und Nackenschmerzen. Danach werden auch die Schmerz-Attacken am Auge langsam schwächer und verschwinden in der Regel nach 5 bis 20 Tagen ganz.
Die Kontaktlinse ist sozusagen die Augenklappe „light“, die als Schutz vor dem Clusterkopfschmerz dauerhaft getragen werden kann. Es ist eine gute Alternative zur Prismenbrille. (falls Sie schon eine haben, lesen Sie bitte das Textende)
So testen Sie die Wirkung einer Kontaktlinse bei Clusterkopfschmerzen
Wenn Sie zur Zeit Clusterkopfschmerzen haben, können Sie dies vor Ort mit geringem finanziellem Aufwand tun.
Wahrscheinlich hatten Sie noch nie Kontaktlinsen — deshalb empfehle ich Ihnen eine Linsenart, die Sie problemlos vier Wochen auf dem betroffenen Auge tragen können: Focus „Night and Day“. Diese Linse können Sie im Dreierpack online für ca. 28€ bei Amazon bestellen. Die Daten sind: Radius 8,6 +3,00 Dioptrien und Durchmesser 13,8.
Bitte suchen Sie sich dann einen Optiker vor Ort, der / die bereit ist, Ihnen diese Linse auf das betroffene Auge zu setzen. Ideal wäre es, wenn Ihnen dort auch gleich das Ein- und Aussetzen beigebracht wird, denn dann können Sie die nächsten Kontaktlinsen später selbst ein- und aussetzen.
Die eingesetzte Kontaktlinse / Augenklappe „light“ können Sie nun als Schutz gegen den Clusterkopfschmerz in den nächsten vier Wochen dauerhaft tragen. In den ersten Tagen dürfen Sie nicht Auto fahren, weil Sie sich erst an das neue Sehen mit der Kontaktlinse gewöhnen müssen.
Bitte haben Sie Geduld, denn es kann 3 bis 14 Tage dauern, bis die Attacken nachlassen und später im Idealfall ganz verschwinden.
Wenn Sie diese Zeit verkürzen wollen, können Sie vor der Kontaktlinse / Augenklappe light für drei bis sieben Tage eine medizinische Augenklappe tragen. Diese ist lichtdicht und schützt das betroffene Auge noch besser vor der Winkelfehlsichtigkeit, als die Augenklappe „light“.
Wenn der Schmerz mit der Augenklappe „weitgehend“ abgeklungen ist, können Sie problemlos auf die Kontaktlinse +3,00 umsteigen und so ganz schmerzfrei werden. Die Augenklappe light ist natürlich viel angenehmer, weil das schmerzende Auge dann wieder am Sehprozess beteiligt ist.
Wenn der Clusterkopfschmerz abgeklungen ist, können Sie den Pluswert der Kontaktlinse reduzieren und sich eine neue Linse mit +2,50 Dioptrien einsetzen. Dadurch wird das Sehen auf dem Cluster-Auge schärfer. Wenn Sie trotzdem schmerzfrei bleiben, reduzieren Sie den Pluswert nach einigen Wochen erneut um 0,50 Dioptrien, bis Sie bei +1,50 Dioptrien angekommen sind. Das ist die „minimale Unschärfe“ für die Augenklappe „light“, die erforderlich ist, um das Auge vor der schmerzauslösenden Winkelfehlsichtigkeit / vor dem Clusterkopfschmerz zu schützen.
Mit diesem Pluswert können Sie die Kontaktlinsen dann Monate oder Jahre tragen und damit den Clusterkopfschmerz dauerhaft verhindern. Wenn Sie Brillen für die Ferne oder Nähe haben, setzen Sie diese bitte weiterhin „über“ die Kontaktlinse auf.
Falls Sie nach einiger Zeit bemerken sollten, dass Sie leichte Attacken etc. bekommen, muss die schützende Unschärfe wieder etwas verstärkt werden, also von +1,50 Dioptrien auf +1,75 usw. Das „Maß der Unschärfe“ ist sozusagen wie die Dosis bei einem Medikament – so wenig Plus / Unschärfe wie möglich, aber so viel, wie für den Schutz des Auges nötig. So können Sie selbst den optimalen Dioptrienwert der Kontaktlinse ermitteln.
Anmerkungen & Hinweise zur Kontaktlinse bei Clusterkopfschmerzen
Wenn Sie schon Erfahrung mit Kontaktlinsen haben, können Sie auch Kontaktlinsen verwenden, die man täglich ein- und aussetzt. Bitte kneifen Sie dann beim Wechseln aber immer das „gesunde“ Auge zu, denn wenn beide Augen gleichzeitig offen sind, ist die Winkelfehlsichtigkeit immer ein großer Trigger für Attacken!
Bitte verzichten Sie in den ersten Wochen mit der Augenklappe / Augenklappe „light“ möglichst auf Histamine, da diese stark entzündungsfördernd sind!
Bitte melden Sie sich bei allen Fragen per Mail an info@richtig-sehen.de oder schreiben in unseren Facebook-Gruppen (öffentliche Facebook-Gruppe / private Facebook-Gruppe).
Falls Sie schon eine Prismenbrille von mir bekommen haben und damit schmerzfrei sind, können Sie ebenfalls Kontaktlinsen gegen den Clusterkopfschmerz nutzen. Bitte melden Sie sich bei mir, dann kann ich Ihnen genaue Kontaktlinsendaten geben. Sie könnten dann die Linsen z.B. beim Sport im Wechsel mit Ihrer Prismenbrille tragen.
Vor- und Nachteile: Prismenbrille im Vergleich zur Kontaktlinse („Augenklappe light“)
- Sie sehen mit der Prismenbrille auf beiden Augen scharf und entspannt und somit schmerzfrei — mit der Kontaktlinse ist die Sehschärfe auf dem betroffenen Auge als Schutz vor Attacken reduziert.
- Bei der Prismenbrille muss ich jedes Jahr die Werte kontrollieren, bei der Kontaktlinse können Sie den richtigen Dioptrienwert selbst ermitteln. Hierfür habe ich eine spezielle Anleitung geschrieben.
- Die Kontaktlinse ist gut für den Sport geeignet, die Prismenbrille eher nicht.
- Die Prismenbrille kostet pro Jahr ca. 550€, die Kontaktlinsen pro Jahr zwischen 120 und 350€
- Die Prismenbrille kann drücken, rutschen, beschlagen … was bei einer Kontaktlinse entfällt.
- Man kann mit der Kontaktlinse schwimmen, duschen und in die Sauna gehen.
- Die Medikamente müssen vor der Prismenkorrektion abgesetzt werden (z.B. Verapamil), bei der Augenklappe light ist das unkritisch.
- Alkohol und Cannabis können bei der Prismenbrille zu Attacken führen, bei der Kontaktlinse nicht. Ich bekam hierzu positive Rückmeldungen.
- Die Kontaktlinse kann jeder sofort ausprobieren, bei einer Prismenbrille dauert das viel länger.
Fazit zur Kontaktlinsentherapie bei Clusterkopfschmerzen
Die therapeutische Kontaktlinse hat mehr Vorteile als die Prismenbrille. Aber, wenn Sie die Kontaktlinse viele Jahre als Schutz gegen den Clusterkopfschmerz nutzen möchten, ist es früher oder später sehr empfehlenswert, auch eine Prismenbrille zu haben, die dann im Wechsel mit der Kontaktlinse getragen werden kann.